Evang.-luth. Kirchengemeinde

ROTH

4. Sonntag nach Ostern – Kantate

Singet dem Herrn ein neues Lied! Psalm 98,1

 

Der Wochenspruch fordert uns dazu auf: „Singet dem Herrn ein neues Lied und ergänzt: denn er tut Wunder.“

 

Diese Andacht hat das Lied „Du meine Seele, singe ...“ und den Dichter dieses Liedes, Paul Gerhardt, zum Inhalt.

 

Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.


Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.


Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht; das weisen die Geschäfte, die seine Hand gemacht: der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer, der Fisch unzähl’ge Herde im großen wilden Meer.

 

Liebe Gemeinde,

„Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön.“

Paul Gerhardt hat dieses Lied auf der Basis des 146. Psalms geschrieben: Da heißt es: Lobe den HERRN, meine Seele! Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.

Paul Gerhardt hat in seinem Leben so viel erlebt, was einem eigentlich das Loblied im Halse stecken bleiben lassen könnte. Während des 30-jährigen Krieges wurde er 1607 als Gastwirtssohn in Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt geboren. Seine Eltern sind sehr früh kurz hintereinander gestorben Mit 14 Jahren war er Waise, wurde in ein Internat mit klösterlicher Disziplin gesteckt. Einerseits eine harte Schule, die sein älterer Bruder Christian auch nicht durchgehalten hat und vorzeitig abbrach. Auf der anderen Seite war es vielleicht doch auch ein besonderer Glücksfall, den er seinem Großvater mütterlicherseits zu verdanken hatte. Später beginnt er ein Theologiestudium, aber erhält danach keine Pfarrstelle. Zu viele Gemeinden sind durch die Kriegswirren verarmt und können sich keinen Pfarrer leisten. So schlägt er sich viele Jahre als Hauslehrer durch. Zunächst in Wittenberg, später in Berlin. Langsam entstehen seine ersten Lieder.  In dieser Zeit kommt er einmal in die Heimat zurück nach Gräfenhainichen. Die Schweden haben den Ort zerstört. Alles liegt in Trümmern: Kirche, Schule, Schloss, die Wohnhäuser, die elterliche Wirtschaft. Zur selben Zeit stirbt sein Bruder Christian an der Pest.

44jährig tritt er seine erste Pfarrstelle in Mittenwalde an.  In dieser Zeit entsteht auch das Lied “Du meine Seele singe”. Er heiratet Anna Maria Berthold. Wenig später wurde ihnen Maria Elisabeth geboren, sie lebte aber nur ein dreiviertel Jahr. Auch von den vier weiteren Kindern sterben drei im Babyalter. Die Ehe dauerte 13 Jahre, dann starb auch seine Frau. In dieser Zeit durchlebt Paul Gerhardt eine tiefe Krise. Er war inzwischen nach Berlin an die Nikolaikirche gewechselt, aber dort gerät er mit dem Kurfürsten aneinander. Sie streiten über theologische Fragen – letztlich muss er aufgrund seiner Kompromisslosigkeit die Stelle in Berlin aufgeben. Die letzten sieben Jahre seines Lebens verbringt er in Lübben – einem Städtchen östlich von Berlin.

Das ist keine Bilderbuchkarriere. Viel Schweres, vieles, das nicht so geworden ist, wie man es sich wünschen würde, liegt darin.

Trotz alledem ist für Paul Gerhardt das Lob Gottes immer wichtig gewesen. In allem Schweren entdeckte er dennoch hier und da die Fürsorge Gottes. Und dafür dankt er ihm. Er lobt Gott von ganzem Herzen aber er verleugnet die Wolken am Himmel auch nicht.

„Paul, du bist in Gottes Hand“, das ruft er sich in seiner Krise selber zu.  „Warum sollte Gott nicht die Stürme meines Lebens stillen?“  In Psalm 146 heißt es: Verlasst euch nicht auf Fürsten, sie sind Menschen; die können doch nicht helfen. Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darinnen ist, der Treue hält ewiglich, der Recht schafft denen, die Gewalt leiden.

Paul Gerhardt ringt mit sich selber, aber er ringt auch mit Gott bis hin zu der Gewissheit, dass Gott in allem was kommt, ihn nie verlassen wird. 

Hier sind die treuen Sinnen, die niemand Unrecht tun, all denen Gutes gönnen, die in der Treu beruhn. Gott hält sein Wort mit Freuden, und was er spricht, geschicht; und wer Gewalt muss leiden, den schützt er im Gericht.

Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl; und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual.

Er ist das Licht der Blinden, erleuchtet ihr Gesicht, und die sich schwach befinden, die stellt er aufgericht‘. Er liebet alle Frommen, und die ihm günstig sind, die finden, wenn sie kommen, an ihm den besten Freund.

 

Paul Gerhardt ist keiner der siegreich durchs Leben geht und die Karriereleiter nur so hochfällt.  Er ist jemand, der viel einstecken musste, oft auch verzweifelt war. Aber diese drei Strophen zeigen: Er schöpft ohne Abstriche aus dem Reichtum Gottes. Was die Bibel als Gottes Willen für unser Leben kundtut, setzt er hier um: Gott, der vom Tod errettet, Blinde sehend macht, Niedergeschlagene aufrichtet und Hungernde sättigt.

Trotz aller Enttäuschungen bleibt Paul Gerhardt dabei und erwartet von Gott Großes!

Das gehört zum Glauben dazu: Gott kann Lebenssituationen verändern, Wunder tun! Darauf dürfen wir hoffen. 

Wir dürfen von Gott alles erwarten. Wir wissen aber auch: Gott lässt auch das Leiden zu. Wir wissen nicht warum, aber es ist uns täglich vor Augen. Und da ist es gut, wenn wir uns auch im Leiden nicht von Gott verlassen wissen. Es gibt nicht nur die großen Scheine der Wunder, sondern auch das Kleingeld der Gegenwart Gottes.

In diesem Lied ist eine Zeile, die das ganz anrührend sagt. „Gott macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl.“ Für mich als Kind der Wohlstands-gesellschaft ein bisschen ein fremder Satz. Die von ihnen, die die Kriegs- und Nachkriegszeit erlebt haben, oder in Entwicklungsländern mal etwas genauer hingeschaut haben, sie können Paul Gerhardt da wohl ganz gut verstehen. Gott ist uns oft auch in den Kleinigkeiten nahe. Allein die Gegenwart Gottes, die Hoffnung, die er ausstrahlt, kann mir in einer schwierigen Lebenssituation weiterhelfen.

Paul Gerhardts Blickwinkel auf das Leben kann uns verändern: Nämlich darauf zu achten, was wirklich Bestand hat, so wie es auch Psalm 146 andeutet. 

Lobe den HERRN, meine Seele!

Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.

Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.

Denn des Menschen Geist muss davon, und  er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.

Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN, seinen Gott,

der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darinnen ist; der Treue hält ewiglich,

der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset.

Der HERR macht die Gefangenen frei.

Der HERR macht die Blinden sehend.

Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der HERR liebt die Gerechten.

Der HERR behütet die Fremdlinge und erhält Waisen und Witwen; aber die Gottlosen führt er in die Irre.

Der HERR ist  König ewiglich, dein Gott, Zion, für und für.

Amen.

 

Er ist der Fremden Hütte, die Waisen nimmt er an, erfüllt der Witwen Bitte, wird selbst ihr Trost und Mann. Die aber, die ihn hassen, bezahlet er mit Grimm, ihr Haus und wo sie saßen, das wirft er um und um.


Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm; der Herr allein ist König, ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt, ist’s billig, daß ich mehre sein Lob vor aller Welt.

 

Wir beten mit dem Vaterunser:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 

 

Die nächsten Gottesdienste finden wie folgt statt:

Am 02.05. 10 Uhr wird in Roth Konfirmation gefeiert.

Es werden konfirmiert:

Nils Lennard Großhaus
Vincent Hack
Vera Kaletsch
Niklas Müller
Finja Weber
Lukas Weber
Niklas Weber
Salomé Wolf

 

Am 09.05. werden in Wenkbach Konfirmanden
aus Wenkbach und Argenstein konfirmiert:

Eleni Amirjanyan

Lina Esteves Pereira

Alice Habermehl

Lene John

Mavy Kralik

Dean Martic

Kajus Nikonovas

Luis Scharf.

13.05. 10.30 Uhr Himmelfahrt in Wolfshausen mit Pfarrer Wolfgang Gerhardt

16.05. 10.30 Uhr in Roth mit Pfarrer Wolfgang Gerhardt

Refrain: Herr, wir bitten: Komm und segne uns; lege auf uns deinen Frieden. Segnend halte Hände über uns. Rühr uns an mit deiner Kraft. - In die Nacht der Welt hast du uns gestellt, deine Freude auszubreiten. In der Traurigkeit, mitten in dem Leid, lass uns deine Boten sein.

Refrain:... In den Streit der Welt hast du uns gestellt, deinen Frieden zu verkünden, der nur dort beginnt, wo man, wie ein Kind deinem Wort Vertrauen schenkt.

Refrain:... In das Leid der Welt hast du uns gestellt, deine Liebe zu bezeugen. Lass uns Gutes tun und nicht eher ruhn, bis wir dich im Lichte sehn. (EG 590,1-3)

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche.

Wenn Sie Fragen haben oder ein Gespräch wünschen, erreichen Sie mich unter der Nummer 06426 966 570

 

Ihre Sr. Ursula Müller